Nachlese Mai VA 2016 – Koordinatensysteme

Vortrag via Internet von Dr. Paul Beck: Merkurtransit aus La Palma

Freitag, 13.05.2016, Pfingstwochenende und ANTARES-Vereinsabend, an dem dieses Mal etwa 20 ANTARES-Mitglieder ab 18:00 h im Gasthof Leo GRAF, 3100 St. Pölten teilnahmen.

Auch unsere Vorsitzende Gabriele Gegenbauer war auf Urlaub, deshalb begrüßte Gerhard Kermer um 19:00 h die Anwesenden und berichtete über Neuigkeiten aus dem Verein. Thema war die geplante Eröffnung des Sonnenobservatoriums samt Experimentalraum, Lagerraum und Werkstätte sowie des e-Callisto-Sonnenspektrometers am Samstag, 11.06.2016, wo sowohl für die zeitgerechte Fertigstellung als auch für das Eröffnungsfest Mitglieder zur Mitarbeit eingeladen wurden. Bei der Vereinsgrillerei am Freitag, 10.06.2016, wird uns Christian Monstein, der Erfinder von e-Callisto, über dieses weltumspannende Projekt berichten.

Der Merkurtransit in den Nachmittagsstunden des 09.05.2016 war nicht nur ein astronomischer Höhepunkt, auf dem Sternwartegelände verfolgten etwa 25 Mitglieder und zahlreiche Besucher bei wolkenlosen Himmel dieses Himmelsschauspiel; als winzig kleiner dunkler Punkt wanderte Merkur vor der Sonnenscheibe vorbei, auf deren Oberfläche eine größere und mehrere kleinere Sonnenfleckengruppen auszumachen waren; am Sonnenrand zeigten sich einige Protuberanzen, die im Sonnenobservatorium mit dem LUNT-Sonnenteleskop einfach beobachtbar und auch auf einem Monitor sichtbar gemacht wurden. In den Außenteleskopen war Merkur einfach auszumachen, im Hypergraph war gegen Transitende Jupiter eingestellt. Ein Vortrag über Merkur rundete das Angebot für Besucher ab. Zahlreiche Fotos dieses Transits sind auf der ANTARES-Website eingepflegt.

Rudolf Sanda stellte eine vorläufige Auswertung der Mitgliederbefragung vor: Themen für Mitglieder sind vor allem „Visuelles Beobachten“, „Forschung/Wissenschaft“, „Atmosphärische Erscheinungen“ und „Astrofotografie“, aber auch „Astrophysik“, „Antike Astronomie“, „Spektroskopie“ und „Radioastronomie“. Sowohl in die Vereinsnachrichten als auch in die Angebote für Mitglieder sollten diese Auswertungen Eingang finden.

Eine Himmelsübersicht für die nachfolgenden Beobachtungsnächte sowie eine Übersicht über historische astronomische Entdeckungen rundeten seinen Vortrag ab. Seine Messungen mit dem SQM (Sky Quality Meter) bescheinigen dem Beobachtungsstandort Sternwarte Michelbach einen guten Landhimmel, der in sehr guten Nächten auch übertroffen werden kann. Eine Übersichtskarte zeigt, dass die Gebiete südlich von Michelbach wenige markante Beleuchtungsquellen aufweisen und somit einen dunklen Nachthimmel garantieren.

Merkurtransit – Thema auch für Paul Beck, der, auf Teneriffa, darüber im Anschluss berichten wollte, ein technisches Problem bedingte eine zeitliche Verschiebung.

Koordinatensysteme, Abbildungen und Transformationen in Österreich Das war das Thema des Vortrags von DI Jürgen Otter, BEV Wien (Bundesamt für Eich-und Vermessungswesen) an diesem Vereinsabend.

Ausgehend von den historischen Grundlagen, wo die „Mitteleuropäischen Gradmessung“, basierend auf der Netzausbreitung auf dem BESSEL-Ellipsoid 1842 und der Bestimmung des Rotationsellipsoid (Gradmessung, Meridianbögen durch TRIANGULATION), ab 1862 durch MGI (Militärgeographisches Institut) als österreichisches System der Landesvermessung realisiert wurde, das auch heute noch das derzeitige System der Landesvermessung ist.

  • Definition (geodätisches Datum)
  • MGI – österreichisches System der Landesvermessung
  • Bezugsfläche Bessel-Ellipsoid
  • Lagerung Hermannskogel
  • Orientierung Hundsheimer Berg
  • Maßstab durch Basis Josefstadt
  • Realisiert durch Festpunkte, befindet sich der Triangulierungspunkt 287-56 (Punktname Strutzenbergerkogel) auf einem Hügel nahe der Sternwarte. Und dieser kann, wie alle anderen Punkte auch, für die Einnordung von Teleskopen genutzt werden, zeigen doch die Buchstaben KT genau nach Norden.

Obwohl GPS im BEV seit 1989 im Einsatz ist, somit eine homogene Genauigkeit über weite Strecken möglich und es unabhängig von Sichtverbindungen ist, sind Mängel im System MGI heute erkennbar.

Moderne globale Referenzsysteme wie ITRS (International Terrestrial Reference System), dessen Koordinatensystem mit Erde (erdfest) rotiert und als Ursprung den Erdschwerpunkt (Geozentrum) hat, und WGS 84, ein geozentrisches, erdfestes System, können für viele Zwecke gleichgesetzt werden. Da sich jedoch, bedingt durch die Plattentektonik, die Koordinaten laufend ändern (die eurasische Platte bewegt sich ca. 2,5 cm pro Jahr), ist ITRS für Vermessungspraxis ungeeignet.

2002 war der Start für die Nationale Realisierung des ETRS89 (European Terrestrial Reference System), das, abgeleitet aus dem geozentrischem System ITRS, ein einheitliches Bezugssystem für Europa, fixiert auf die eurasische Platte schaffen soll. Derzeit ist die Berechnung der statischen GPS-Messungen von 29.000 Festpunkten TP bereits zu 25% erledigt, der Abschuss ist für 2019 geplant. Die von Otto Braumandl erhoben UTM (Universal Transverse Mercator) und UTMREF- Daten (UTM – Meldesystem UTMREF (deutsch, engl. MGRS = Military Grid Reference System) für das Sternwartegelände stimmen mit jenen des BEV überein:

Geografische KoordinatenUTM-KoordinatenUTMREF-Koordinaten
N 48 05 16 – E 015 45 2233U 556320 E 5326350 N33 U WP 5632 2635

Da Messungen meist im modernen System ETR89 (GNSS/APOS) gemacht werden, die Abgabe jedoch im historischen System MGI erfolgt, ist die Transformation erforderlich.

Bei GIS-Grid, abgeleitet aus 28.120 Identpunkten abgeleitet, sind Problempunkte wie Punkte mit Bodenbewegungen nicht einbezogen, die Genauigkeit ist < 15cm, der Einsatzbereich ist GIS, für Kataster ist GIS-Grid nicht freigegeben.

In der Testphase ist derzeit KATGRID mit einer hochgenauen Transformationsfläche MGI  ETRS89, verteilt über ganz Österreich, das auch für Katasterzwecke geeignet ist. Voraussetzung für die Einführung ist eine Erfassung aller Festpunkte im ETRS89 (ab 2019).

Zahlreiche Fragen der Mitglieder zeigten das große Interesse an diesem Thema. Wir danken DI Jürgen Otter für seine Zustimmung, dass der Vortrag als Power-Point-Präsentation in unsere Website eingepflegt werden darf und somit allen Mitgliedern zum Nachlesen und zur weiteren Beschäftigung mit diesem Thema zur Verfügung steht.

Paul Beck begrüßte uns in einer Direktschaltung direkt aus Teneriffa. Zunächst richtete der Wissenschaftler Prof. Dr. Pere Palle vom Instituto de Astrofisica de Canarias (IAC) Grussworte an uns und betonte, dass sich astronomische Forschung durch Amateurastronomen und Profiastronomen immer ergänzen.

Paul Beck berichtete danach über den Merkurtransit und über die Wichtigkeit desselben für die Entdeckung von Exoplaneten, kann hier ja der Dopplereffekt und die Helligkeitsschwankung beim Transit nachvollzogen und gemessen werden, Voraussetzung für die Bestimmung der Größe, des Drehimpulses, der Rotationsgeschwindigkeit und anderer Parameter der Sterne und sie umkreisenden Exoplaneten.

Das letzte Foto zeigte neben Paul, Prof. Dr. Pere Palle und einer Mitarbeiterin vor Ort noch Univ. Prof. Dr. Arnold Hanselmeier der Universität Graz, Institut für Geophysik Astrophysik und Meteorologie, der zu einem Sonnenforschungsprojekt in Teneriffa weilte.

Eine Power-Point-Präsentation als Zusammenfassung zum Nachlesen ist in unserer Website zu finden – DANKE an Paul für seine Zustimmung zur Veröffentlichung.

Weitere Fragen an den Vortragenden, privat plaudern, Fragen beantworten, Astrofotos, um Mitarbeit bei Eröffnungsfest nachfragen; der weitere Verlauf dieses Vereinsabends gehörte unseren Mitgliedern, für die Vereinsabende gelebter Fixpunkt in unserem Vereinsleben sind.

Gerhard KERMER
Vorsitzende Stellvertreter, Teamleiter Öffentlichkeitsarbeit und Führungen

Fotograf und Copyright: Martin Kainz