Vereinsabend April 2017

Freitag       14.04.2017

24 Mitglieder konnte Gerhard Kermer beim Vereinsabend am Freitag, 14.04.2017, begrüßen.

Der Vereinsausflug 2017 führt uns am Sonntag, 07.05.2017 nach Linz, wo wir nach einem Besuch der LAG-Sternwarte und des Ars Electronica Center am Nachmittag auf den Spuren von Johannes Kepler durch die Linzer Altstadt wandern; es gibt noch freie Plätze, bei Interesse bitte INFO an Gerhard Kermer (M 0664 73122973, E gerhard.kermer@aon.at).

Gabi Gegenbauer präsentierte einige Aufnahmen unserer Astrofotografen – Planeten, Startrails und Deep-Sky-Fotos zeigen die Vielfalt der Interessensgebiete unserer Mitglieder auf, das beeindruckende Paar der Offenen Sternhaufen M35 und NGC 2158 und Markanjans Galaxienkette seien stellvertretend für alle anderen angeführt.

Zeitgerecht zum Messier-Marathon am Wochenende 24.03./25.03.2017, an dem bei bestem Beobachtungswetter zahlreiche Mitglieder an mehreren Tagen teilnahmen, konnte der neu bedampfte Spiegel des Hypergrafen montiert und justiert werden, die Beobachtungsqualität für Mitglieder und für den Führungsbetrieb ist damit wieder gewährleistet.

Ein aufrichtiges DANKE an Jürgen Stapf, der mit einer von Peter Messerer gestalteten Power-Point-Präsentation über den von ihm durchgeführten Spiegeltransport nach Ungarn und zurück und über den Einbau berichtete und damit zu sehr günstigen Reparaturkosten beitrug.

Die WAM850-Montierung, für visuelle Beobachtung geeignet, ist für Astrofotografie nur mehr bedingt einsetzbar. Ein Interessent für einen angedachten Verkauf hat sich die Montierung angesehen, es wird aber auch eine kostengünstige Reparatur in Erwägung gezogen, um diese auch weiterhin fotografisch nutzen zu können.

Nach der Winterpause soll das Sternwartegelände nicht nur für die Besucher unserer Führungen gepflegt erscheinen; 10 Mitglieder hatten für Samstag, 08.04.2017, ab 09:00 h, ihre tatkräftige Unterstützung für den Frühjahrsputz zugesagt, gemeinsam haben wir die Gebäude und die Außenflächen gereinigt; am Nachmittag wurde bei unserem Nachbar die Außenlampe getauscht, mit zum Erdboden gerichteten Lichtkegel sollte ein dunkler Standort für unsere Himmelsbeobachtungen gewährleistet sein –ein DANKE an alle Helfer für die gemeinsame Arbeit.

Und in der Woche nach Ostern startet die Führungssaison, wo wir bei hoffentlich gutem Beobachtungswetter unsere Besucher zu Himmelsspaziergängen mitnehmen wollen. Das Interesse an Führungen ist groß, wir bitten um Mithilfe bei der Führungsgestaltung.

Als Vortragenden konnten wir Dr. Richard Schwarz, Institut für Astrophysik der Universität Wien, begrüßen, der über „Exoplaneten und ihre Entdeckungsmöglichkeiten“ berichtete.

Nach einer kurzen Übersicht über die Entstehung unseres Sonnensystems und der 8 Planeten im Staubring ging Dr. Schwarz auf die Geschichte der Entdeckung der Exoplaneten ein.

Der Ende der 1980er Jahre entdeckte Exoplanet war ein Brauner Zwerg (HD 114762 b).

Der polnische Astronom Aleksander Wolszczan entdeckte 1990 den Pulsar PSR 1257+12, 1992 konnten durch genaue Messungen der Wiederkehrzeit des Strahls, der die Erde von diesem Pulsar aus erreicht, drei um den Pulsar kreisende Exoplaneten nachgewiesen werden. Ein weiterer Exoplanet wurde 1994 um den Pulsar PSR B1620-26 entdeckt. Leben, wie man es von der Erde kennt, ist dort praktisch ausgeschlossen.

Michel Mayor und Didier Queloz vom Departement für Astronomie der Universität Genf gelang 1995 mit Hilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode die erste definitive Entdeckung eines Exoplaneten in einem Orbit um einen Stern ähnlich der Sonne. Der Planet 51 Pegasi b (0,46 Jupitermassen) kreist im 4,2-Tage-Takt um den ca. 40 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern 51 Peg (Sternbild Pegasus).

Heute sind 3557 Exoplaneten in 2668 Systemen bekannt, darunter 601 Systeme mit zwei bis sieben Planeten sowie über 2000 Planetenkandidaten (Stand 05.01.2017). Untersuchungen und Messungen ergaben, dass ein Stern der Milchstraße im Durchschnitt ein bis zwei Planeten hat.

Da sich Stern und Planet(en) unter dem Einfluss der Gravitation um ihren gemeinsamen Schwerpunkt bewegen, können bei der Radialgeschwindigkeitsmethode (Dopplermethode) durch Beobachtung der abwechselnden regelmäßigen Blau- und Rotverschiebung (Doppler-Effekt) die sehr genauen Spektren des Sterns nachgewiesen werden. Geeignet für eher große Planeten, deren Blickwinkel nicht senkrecht zur Bahnebene gerichtet ist, kann bei bekannter Sternmasse nicht die Planetenmasse selbst, sondern nur eine Untergrenze für eventuell vorhandene Planeten berechnet werden. Die Untersuchungen des ESA-Satelliten GAIA werden hier wichtige Daten liefern. Bisher entdeckt 686 Objekte.

71 Objekte wurden durch direkte Beobachtung mittels Fotodokumentation entdeckt (VLT, Chile, Hubble Space Telescope). Diese Methode ist eher für junge, nahe Planeten mit einem weiten Orbit bis etwa 200 LJ Entfernung geeignet.

Zieht der Planet, aus der Sicht der Erde, auf seiner Umlaufbahn parallel zur Bahnebene vor dem Stern vorbei, vergleichbar dem Venustransit, lässt sich diese regelmäßige Abschwächung des Sternenlichts durch die Bedeckung durch hochpräzise Photometrie nachweisen (Satelliten COROT, Kepler, terrestrische Teleskope). Mit 2.678 aufgefundenen Objekten (= 80%) ist die Transitmethode (Durchgangsmethode, -beobachtung) die erfolgreichste bei der Suche nach Exoplaneten.

Bereits Mitte des 20.Jhdts. und später mit dem Astrometriesatellit Hipparcos wurde durch genaue Vermessung der Sternörter mit der Astrometrischen Methode nach Exoplaneten gesucht; die Messergebnisse waren jedoch zu ungenau, behauptete Entdeckungen stellten sich später als unrichtig heraus. In Zukunft soll die erforderliche Genauigkeit durch Interferometrie mit dem VLT (Very Large Telescope) und mit dem ESA-Satellit GAIA erreicht werden. Diese Methode ist bei eher große Planeten bei nahen Sternen (bis etwa 200 LJ) geeignet.

Der Mikrolinseneffekt (Gravitational-microlensing-Methode), eine indirekte Methode, nutzt die Verstärkung des Lichts eines Hintergrundobjekts durch Gravitationslinsenwirkung eines Vordergrundsterns. Der Helligkeitsverlauf nimmt mit der Bewegung eines Sternes vor dem Hintergrundobjekt zu und wieder ab, durch einen Planeten des Vordergrundsterns kann der Helligkeitsverlauf eine charakteristische Spitze erhalten. 2003 erstmals beobachtet, sind Microlensing-Ereignisse selten, erlauben aber auch Beobachtungen bei weit entfernten Sternen (einige tausend Lichtjahre). Ob sich damit auch weit entfernte Systeme nachweisen lassen, ist noch nicht sicher erwiesen.

Gravitationsbedingt ändert sich bei einem umlaufenden Planeten der Schwerpunkt des Sternsystems (Zentralstern oder Doppelstern), es kommt zu einer zeitlichen Verschiebung bei den streng periodischen Signalen, worauf die entfernungsunabhängige Lichtlaufzeit-Methode (Pulsar timing) beruht. Hinreichend genaue Signale kommen von Pulsarpulsen, den Maxima einiger pulsationsveränderlicher Sterne sowie den Minima bedeckungsveränderlicher Sterne. Diese Methode ist stark beeinflusst von der Genauigkeit des periodischen Signals. Bisher konnten damit noch keine Exoplaneten nachgewiesen werden.

Waren die ersten entdeckten Exoplaneten jupiterähnliche Gasriesen, die teils ihrer Nähe zum Fixstern wegen “Hot Jupiters“ genannt wurden, werden mit verbesserten Methoden auch Gesteinsplaneten (Supererden) und erdähnliche Planeten entdeckt, bei der Suche nach habitablen Planeten hat man Systeme um Proxima Centauri und sieben erdähnliche Monde um den 40 LJ entfernten Roten Zwerg Trappist-1 (Sternbild Wassermann) gefunden, von denen 3 in der habitablen Zone liegen.

Exoplaneten können ihre Sterne, aber auch, wie der Planet Kepler-16b, Doppelsterne umlaufen, sie existieren auch in Mehrfachsternsystemen.

Man vermutet, dass jeder Stern mindestens einen Planeten besitzt. Hochgerechnet auf die Anzahl der Sterne alleine in unserer Milchstraße ergibt dies 100 – 300 Milliarden Planeten.

Mit den heutigen technischen Möglichkeiten können jedoch noch keine Exomonde nachgewiesen werden.

Zahlreiche Fragen unserer Mitglieder zeigten das große Interesse an diesem Thema.

Ein aufrichtiges DANKE an den Vortragenden Dr. Richard Schwarz, der uns dieses Thema bestens aufbereitet näher gebracht hat.

VORSCHAU

ANTARES-VEREINSABEND

Freitag       12.05.2017

19:30 h VORTRAG

 Dr. Josef Pradler

Institut für Hochenergiephysik

Juniorgruppenleiter am HEPHY in Wien

 Dunkle Materie beleuchtet

Gerhard KERMER

ANTARES NOE AMATEURASTRONOMEN

Vorsitzender

Öffentlichkeitsarbeit und Führungen

M 0664 73122973

E gerhard.kermer@aon.at