Vereinsabend September 2018

Nachlese

Vereinsabend

Freitag, 14.09.2018

Die Geländeumwidmung für den weiteren Ausbau der Sternwarte ist zwar noch nicht bewilligt (derzeitige Information Anfang 2019), aber die Vorarbeiten laufen. Und darüber und über den aktuellen Planungsstand berichteten Gerhard Kermer und Peter Messerer zu Beginn dieses Vereinsabends.
Das Gelände wird mit einer Stützmauer und Maschendrahtzaun (Höhe 1,25 m oder 1,50 m ?) umgeben. Dieser soll begrünt werden (Efeu?) und, mit Schattiernetz versehen, Licht-, Sicht- und Windschutz ermöglichen. Ebenso soll diese Maßnahme eine bessere Pflege der Böschung ermöglichen.
Neben der Vergrößerung der Parkflächen (200 m2, auf Grund Weidegenossenschaft) werden auf der geplanten Erweiterungsfläche (240 m2) insgesamt 13 betonierte Teleskopaufstellplätze (1,5 m x 1,5 m) errichtet (2 für visuell, 11 für Astrofotografie), ein Teil wird mit Teleskopsäulen ausgestattet. Zusätzlicher Windschutz für die 11 Plattformen für Astrofotografie wird angedacht (mobil, stationär?; bitte um Lösungsansätze).
Westlich der 6 befestigten Plätze (visuell) werden auf Neugrund 2 Betonplattformen (2,5 m x 2,5 m) zur Errichtung zweier Holzhütten (Höhe 2,6 m) in Würfelform zur Aufnahme von Teleskopen errichtet.
2 Betonplattformen (4,2 m x 2,5 m) zur Errichtung zweier Holzhütten (Höhe 2,6 m) sind für die Aufbewahrung und Lagerung von Teleskopen vorgesehen.
Pläne und Baubeschreibungen können in unserer Website https://www.noe-sternwarte.at / Mitgliederbereich / Projekt Plattformen eingesehen werden.
Bitte um eure Lösungsvorschläge für Zaunhöhe, Licht- und Windschutz, Begrünung, usw.
Und bitte um Bekanntgabe, wer Interesse an Lagerbox für Teleskope hat!
Am 25.10.2018, 17:00 h – 19:00 h laden wir alle Mitglieder zu einer Besprechung in den Gasthof Leo Graf, St. Pölten, wo Details und die endgültige Ausführung beschlossen werden – Einladung folgt nochmals zeitgerecht.

Etwa 20 Mitglieder trafen am Freitag, 14.09.2018 ab 18:00 h bei unserem Vereinsabend im Gasthof Leo GRAF, 3100 St. Pölten zusammen.
Nach dem Besucheransturm bei der Totalen Mondfinsternis am 27.07.2018 konnten wir am 12.08.2018 gemeinsam mit knapp 400 Besuchern bei besten Sichtbedingungen in der „Nacht der Sternschnuppen“ zahlreiche PERSEIDEN, darunter auch Boliden, beobachten – ein aufrichtiges DANKE allen Mitgliedern, die durch ihre Mithilfe diesen Abend nicht nur für uns zu einem astronomischen Fest werden ließen; DANKE auch an Paul Beck, der in einer Liveschaltung aus Teneriffa berichtete.
Die Planungen für das Vereinsjahr 2019 laufen; neben einer partiellen Mondfinsternis (66%) in den Abendstunden des 16.07.2019 ist der Merkurtransit am 11.11.2019 nur in der Anfangsphase sichtbar, der Austritt erfolgt nach Sonnenuntergang.
Der Vereinsausflug wird uns am Sonntag, 19.05.2019, nach Salzburg ins Haus der Natur (Astronomieabteilung, Kraterkino) und in die neu eröffnete VEGA-Sternwarte führen, die Reise erfolgt per Busfahrt, Infos folgen.

Am 15.09.2017 endete die Cassini-Huygens-Mission. Am Freitag, 14.09.2018, fast auf den Tag genau der Jahrestag des Sturzes der Cassini-Sonde in den Saturn, freuten wir uns über Dr. Georg Fischer als Vortragenden, der uns über die „Höhepunkte der Saturnmission Cassini-Huygens“ berichtete.
Cassini-Huygens, die Mission zweier Raumsonden zur Erforschung des Planeten Saturn und seiner Monde, wurde am 15.10.1997 vom Launch Complex 40 auf Cape Canaveral mit einer Titan-IVB-Rakete gestartet.
Benannt nach Giovanni Domenico Cassini, einem italienischen Astronomen, der 1675 erstmals die Lücke im Saturnring (Cassinische Teilung) beschrieb, und Christiaan Huygens, einem niederländischen Astronom, Mathematiker und Physiker, der entdeckte, dass die Ausbuchtungen des Saturn, von Galilei als Ohren des Saturns bezeichnet, in Wirklichkeit die Saturnringe waren, schwenkte Cassini (NASA) am 01.07.2004 in die Umlaufbahn um Saturn ein.
Die europäische Landesonde Huygens (ESA) wurde im Dezember 2004 vom Cassini-Orbiter getrennt und landete am 14.01.2005 auf Titan, dem größten Saturnmond, für Messungen in der Atmosphäre und auf der Oberfläche. Ihre eigentliche Mission dauerte ca. 2,5 Stunden, 72 Minuten lang sandte Huygens Daten, die das Verständnis über den Mond Titan deutlich verbesserten.
Das IWF Graz, Mitglied im Cassini/RPWS-Team, hat Methoden zur Kalibrierung der RPWS-Antennen entwickelt und durchgeführt. Das IWF hat an Bord von Huygens maßgeblich an der Entwicklung und dem Bau von ACP (Aerosol Collector and Pyrolyser) und HASI (Huygens Atmospheric Structure Instrument) mitgearbeitet und war an der Datenauswertung von GCMS (Gas Chromatograph and Mass Spectrometer) beteiligt, ebenso wurden auch Daten der Cassini-Mission ausgewertet.
2009 entdeckte die NASA-Raumsonde Cassini auf einer südlichen Breite von 35° die ersten Blitze auf der Nachtseite des Saturns; 2011 gelang der Kamera an Bord von Cassini jedoch eine Sensation: Während des Riesensturms, der 2010-2011 auf 35° nördlicher Breite tobte, ortete sie erstmals Blitze auf der Tagseite des Ringplaneten im kurzwelligen blauen Licht.
In einer Studie der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Icarus beschreibt ein internationales Team mit Beteiligung des Grazer IWF die während dieses Riesensturms aufgenommenen gewaltigen Blitze (Erstautorin Ulyana Dyudina)., die von Cassini im Jahr 2011 aufgenommen wurden.
Dr. Fischer verfolgt das Wettergeschehen am Saturn seit geraumer Zeit.
Die Intensität der Blitze auf Saturn kann mit den heftigsten Blitzen auf der Erde verglichen werden. Alleine die sichtbare Energie wird auf 1-10 Gigajoule geschätzt, was ca. 0,1% der Gesamtenergie des Blitzes entspricht. Der von den Blitzen erleuchtete Wolkenteil hat einen Durchmesser von rund 200 km. Daraus kann geschlossen werden, dass die Blitze auf Saturn genau dort generiert werden, wo sie auch auf der Erde entstehen: in den tiefer liegenden Schichten der Atmosphäre, wo Wassertröpfchen gefrieren.
Neben den Bilddaten sind auch die Radiodaten von großer Bedeutung. Während die meisten Blitze im mittleren Teil des Sturms fotografiert wurden, geht aus den Messungen der Radiowellen hervor, dass die Blitze im Kopfteil des Sturms eigentlich am häufigsten sind. Gerade dort sind die Wolken aber so dicht, dass die Kameras keine Blitze detektieren können.
Blitze sind auch auf Jupiter und Uranus detektierbar, bei Neptun werden diese vermutet, sind dort jedoch nicht nachgewiesen und bestätigt.
Wichtig für diese Forschungstätigkeit war für Dr. Fischer die Zusammenarbeit mit Amateurastronomen; er nutzte die Daten des PVOL (Planetary Virtual Observatory and Laboratory), wo sehr viele Amateurastronomen regelmäßig ihre Bilder von Planeten hochladen (http://pvol2.ehu.eus/pvol2/).
In dem in seinem Vortrag angesprochenen Artikel (englisch, 100 Seiten) werden sehr viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Profis und Amateuren im Bereich der Planetenbeobachtung besprochen.
Dieser Artikel (Instrumental methods for professional and amateur collaborations in planetary astronomy) wird als pdf-Datei der Nachlese angehängt.
Vielleicht bietet diese Seite für das eine oder andere ANTARES-Mitglied interessante Möglichkeiten, um auch als Amateur mit Daten für wissenschaftliche Forschung beizutragen.
Weitergehende Informationen zu Cassini/Huygens sind u.a. abrufbar in den Websites
NASA (https://www.nasa.gov/mission_pages/cassini/main/index.html)
ESA (https://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Cassini-Huygens).
Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Cassini-Huygens)

Die nachfolgende Fragerunde zeigte das große Interesse der ANTARES-Mitglieder an dieser Mission. Unser aufrichtiger Dank gilt Dr. Georg Fischer, der, aktiv an dieser Mission beteiligt, uns an diesem Forschungsprojekt teilhaben ließ.

Der weitere Abend, der gegen 22:00 h endete, gehörte mit persönlichen Gesprächen unseren Mitgliedern.

Was uns besonders freut:
Wir dürfen 3 neue aktive Mitglieder bei ANTARES herzlich willkommen heißen!

VORSCHAU
ANTARES-VEREINSABEND
Freitag 12.10.2018

Gasthof Leo GRAF
Bahnhofplatz Süd – 7
3100 St. Pölten

Treffen ab 18:00 h
19:00 h Begrüßung, Vereinsnachrichten
19:30 h Dr. Christian Reimers
Institut für Astrophysik der Universität Wien
CHEOPS – Die Charakterisierung ferner Welten

Vortragender
Dr. Christian Reimers
Institut für Astrophysik der Universität Wien
Christian Reimers, geboren 1973 in Bludenz (Vorarlberg), studierte ab 1994 Astronomie und Physik in Wien. Nach Abschluss der Magisterstudiums über die „Formung Planetarischer Nebel durch staubgetriebene AGB-Winde“ und der Promotion zum Thema „Massenverlust durch inhomogene AGB-Winde – Detailstrukturen in Planetarischen Nebeln“ folgten ein Lehrauftrag an der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie sowie Projektarbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Entwicklung einer Kompressionssoftware für das PACS-Instrument an Bord des ESA-Infrarotsatelliten Herschel und diversen EU-geförderten eLearning-Projekte für das Bundesministerium für Bildung. Derzeit ist Christian Reimers, neben bestehender Lehrtätigkeiten, als Softwareentwickler für Dokumentenmanagementsysteme sowie die Erstellung von Applikationssoftware für die ESA-Satellitenmissionen CHEOPS und SMILE in einem Projektteam an der Universität Wien tätig.

THEMA
CHEOPS – Die Charakterisierung ferner Welten
Es ist bald soweit! CHEOPS, ein Satellit der europäischen Weltraumorganisation ESA, wird demnächst in einen Erdorbit gebracht, um mehr über die physikalischen Eigenschaften ferner Welten in Erfahrung zu bringen. Zur Realisierung dieser Mission hat ein europäisches Konsortium jahrelang an dem Vorhaben gearbeitet und viel Know-How und und Arbeitsaufwand investiert. Welche Aufgaben und Ziele verfolgen die Wissenschafter mit CHEOPS? Welche Meilensteine bei der Entwicklung dieses Satelliten mussten gemeistert werden und wo stehen wir heute?